Die europäische Luftfahrt steht derzeit unter erheblichem Kostendruck. Nach einer aktuellen Analyse von Reuters rechnet das Beratungsunternehmen Energy Aspects im vierten Quartal 2026 mit einem möglichen Defizit bei der europäischen Kerosinversorgung von rund 510.000 Barrel pro Tag. Gleichzeitig befinden sich die Bestände am wichtigen europäischen Treibstoffumschlagplatz Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen auf einem sehr niedrigen Niveau.
Gleichzeitig wird versucht, die Versorgung durch zusätzliche Importe zu stabilisieren. Insbesondere die Kerosinlieferungen aus Südkorea nach Europa sind zuletzt deutlich gestiegen. Die aktuelle Entwicklung bedeutet daher nicht, dass in Europa flächendeckend Flugausfälle wegen eines Treibstoffmangels drohen. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie lange die hohen Kerosinkosten die Airlines belasten werden.
Für Reisende aus Deutschland gehören die Flugkosten zu den wichtigsten Bestandteilen des Urlaubsbudgets – insbesondere bei Reisen zu beliebten Mittelmeerzielen.
Sollten die Kerosinpreise auf einem hohen Niveau bleiben, könnten Fluggesellschaften ihre gestiegenen Kosten teilweise an die Kunden weitergeben. Damit könnten Flugtickets für die Sommersaison 2027 teurer werden.
Wichtig ist jedoch: Die von Ryanair-Chef O’Leary genannten 10 bis 20 Prozent stellen keine angekündigte allgemeine Preiserhöhung aller europäischen Airlines dar. Es handelt sich um eine Einschätzung für den Fall, dass die Treibstoffpreise weiterhin hoch bleiben.
Die Türkei gehört zu den wichtigsten Urlaubszielen für Reisende aus Deutschland und anderen europäischen Ländern. Insbesondere Antalya wird während der Sommersaison von zahlreichen Direkt- und Charterverbindungen aus Deutschland angeflogen.
Sollten die Kosten für Kerosin und damit für den Flugbetrieb weiter steigen, könnte dies auch für die Gesamtkosten einer Türkei-Reise im Sommer 2027 relevant werden.
Derzeit gibt es allerdings keine bestätigte Preiserhöhung von 10 bis 20 Prozent für Flüge nach Antalya. Ebenso gibt es keine belastbaren Daten, die eine entsprechende Verteuerung von Türkei-Pauschalreisen für 2027 bestätigen.
Die aktuelle Entwicklung ist daher vor allem als Warnsignal für mögliche steigende Reisekosten zu verstehen – nicht als bereits eingetretene Preiserhöhung.
Ryanair selbst will nach den Aussagen von Michael O’Leary derzeit keinen zusätzlichen Treibstoffzuschlag für Passagiere einführen.
O’Leary geht jedoch davon aus, dass andere Fluggesellschaften ihre gestiegenen Treibstoffkosten im kommenden Sommer möglicherweise über höhere Ticketpreise oder zusätzliche Gebühren weitergeben könnten.
Ryanair hat zudem seine Passagierprognose für das Geschäftsjahr 2027 von ursprünglich 216 Millionen auf 214 Millionen Reisende reduziert. Das Unternehmen begründet die Anpassung unter anderem mit den Auswirkungen der hohen und nicht vollständig abgesicherten Treibstoffkosten.
Nach eigenen Angaben hat Ryanair rund 80 Prozent seines Kerosinbedarfs für das Geschäftsjahr 2027 zu einem Preis von etwa 67 US-Dollar pro Barrel abgesichert. Dadurch ist das Unternehmen zumindest für einen großen Teil seines Bedarfs gegen kurzfristige Preisschwankungen geschützt.
Anadolu Ajansı – Ryanair warnt vor steigenden Flugpreisen im kommenden Sommer
Reuters – Ryanair CEO pledges not to hit passengers with fuel surcharge
Reuters – Europe faces Q4 jet fuel supply deficit
Ryanair – First Quarter FY2027 Results